kulturwerkstatt + schauburg Kaufbeuren
Mit der Fertigstellung der Kulturwerkstatt und der Neueröffnung der inklusiven schauburg als Gastronomie, Bar und Theatercafé entsteht in unmittelbarer Nähe zur Kaufbeurer Altstadt ein neuer Treffpunkt für Kultur, Begegnung, Austausch und Teilhabe im Quartier.
Die kinder- und jugendtheaterpädagogische Einrichtung Kulturwerkstatt ist mit eigener Spielzeit & offener Struktur zur Partizipation in allen Bereichen [von Bühnenbildbau, Technik + Regie bis Marketing etc.] seit beinahe 40 Jahren fester Bestandteil der Kaufbeurer Kulturlandschaft und ein überregional bedeutendes Leuchtturmprojekt für integrative Arbeit mit (jungen) Menschen zur Vermittlung von Werten, Selbstbewusstsein, Teamgeist, Verantwortung, Kreativität.
Seit dem Jahr 2000 war die Einrichtung in dem ursprünglich in den 1930er Jahren im Nationalsozialismus als Kino errichteten Bau an der Ganghoferstraße ansässig – über die Zeit stieß das Gebäude jedoch zunehmend an seine räumlichen, technischen und funktionalen Grenzen. Fehlende Barrierefreiheit, veraltete Haustechnik und eine unzureichende Flächenstruktur machten eine grundlegende Neuordnung erforderlich.
Architektonisch entsteht mit dem Teilabbruch und der Erweiterung auf beengtem Grundstück ein klar gegliederter Baukörper. Ein wichtiges Anliegen ist es, räumliche Zwänge nicht spürbar werden zu lassen; vielmehr hat man nun beim Bewegen durch die Geschosse den Eindruck von Großzügigkeit, unterstützt von weiten Fensterflächen, viel Licht und klaren Wegeführungen zwischen den flexiblen Nutzungsbereichen. Robuste Details, offen sichtbar geführte Installationen + der Fokus auf das Wesentliche unterstreichen den werkstattartigen Charakter des Hauses und schaffen eine authentische Atmosphäre.
Der Theatersaal erhält seinen schlichten und technischen Ausdruck aus den vielen notwendigen und gezielt verorteten Einbauten; das Café als Foyer & offener Begegnungsort ist ambivalent: frech, frisch, hell und modern – dabei chic, zeitlos und ruhig, mit Reminiszenzen an Theater & Kino und einen längst verschwundenen Schatten unter Ästen der Kastanienbäume des einstigen Biergartens.
Ein großer, über drei Seiten geführter Schriftzug oberhalb des Bestandsdachs verortet das Volumen stadträumlich selbstbewusst neu und macht den Ort weithin sichtbar. Blech, silbern oder kontrastreich dunkel lackiert, trifft auf Putzflächen, Licht, Schatten und Glas. Im Innenraum trifft man das Blech erneut, aber es wird weich und nahbar, wenn es in Stoff übersetzt als Windfangvorhang oder als Rückenlehnen der Bänke in der Gastronomie fungiert.
Das öffentlich und privat geförderte Projekt konnte nur mit dem hohen Einsatz und Engagement vieler einzelner Beteiligter realisiert werden und ist in einer Zeit fertiggestellt worden, in der insbesondere Kulturwerkenden aufgrund knapper Kassen regelmäßig Budgets gekürzt oder gestrichen werden. Mehr denn je braucht eine demokratische und offene Gesellschaft Bildungs- und Kultureinrichtungen, die sinnbildlich an einer besseren Zukunft arbeiten.
Beauftragung nach VgV-Verfahren 2021/2023 (LPH 1-4 / LPH5-9)
Fertigstellung 2026
Fotografie von Célia Uhalde


































